Südafrika: Zum ersten Mal kitesurfen in Kapstadt

Südafrika: Zum ersten Mal kitesurfen in Kapstadt

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matze Cape Town

Mitte Januar hieß es wieder: Sachen packen! Wir kamen an einem sonnigen Dienstagmorgen in Kapstadt an. Zum ersten Mal in der „Mother City“! Es war genauso und doch ganz anders, als wir es uns vorgestellt hatten. 

Obwohl Kapstadt eine Großstadt mit rund 3,7 Millionen Einwohner ist, geht es hier doch ziemlich gemütlich zu. Die Kassiererin an der Supermarktkasse lässt sich Zeit und ist durch nichts aus der Ruhe zu bringen, Wachmänner erlauben sich einen Scherz zwischendurch statt stramm zu stehen und unser Taxifahrer am Flughafen nimmt sich die Zeit, uns jeden Berg und jedes berühmte Gebäude zu erklären, das auf unserem Weg liegt. „Dort drüben seht ihr die Universität von Kapstadt. Und dort rechts liegt das Groote Schuur Hospital, an dem Christiaan Barnard die weltweit erste Herztransplantation durchführte. Sein Patient lebte danach noch 18 Tage!“

Wir hören gebannt zu, was uns schwerer fällt als gedacht. Der südafrikanische Dialekt ist noch ungewohnt für unsere Ohren. Das „R“ wird hier rollend ausgesprochen – fast so wie in Bayern – und auch sonst gibt es große Unterschiede. Ein Blick in Wikipedia erklärt einiges über das Zeitgefühl und die Gemütlichkeit der Südafrikaner. Es verrät auch, weshalb der Dialekt so ungewohnt für uns klingt. Statt sneakers sagt man hier „takkies“, statt nice „lekker“ und traffic lights heißen „robots“. Wenn man in Südafrika ankommt, kann man sich außerdem gleich mal von der europäischen Verwendung des Wörtchens „Jetzt“ verabschieden:

Wikipedia:
„South Africans are also known for their irregular use of the word ’now‘. Particularly, ‚just now‘ is taken to mean ‚in a while‘ or ‚later‘ (up to a few hours‘ time) rather than ‚this very minute‘, for which a South African would say ‚right now‘. ‚Now now‘ is relatively more immediate, implying a delay of a few minutes to around half an hour.“

Willkommen in unserer WG am Bloubergstrand

Wir kommen morgens in unserer neuen WG an. Zusammen mit Jan und Peter von Worldtripproject haben wir hier ein Appartement, die beiden Jungs sind seit Ende Dezember hier und kennen sich schon bestens aus. Als wir ankommen, ist von Wind keine Spur. Kein Grund zur Sorge, erklären uns die beiden Jungs. Der Wind beginnt meist erst nachmittags gegen drei Uhr und weht dann oft bis es dunkel wird. Beim ersten Schritt auf den Balkon bietet sich uns diese Aussicht, direkt auf den Kitebeach Bloubergstrand (sprich: Blaubergstrand). Ein Traum:

Ausblick Blouberg Strand
Der Blick von unserem Balkon auf den Kitebeach Bloubergstrand

Kitesurfen in Kapstadt und King of the Air

Die ersten paar Tage verbringen wir damit, uns an die neuen Bedingungen zu gewöhnen: Wellen statt Flachwasser! Der Wind weht in der Regel sideon aus der Richtung des Tafelbergs mit 30 Knoten oder mehr. Es ist eine Herausforderung, aber macht Spaß und bald bin ich hoffentlich soweit, meinen neuerstandenen 6qm Kite zu testen.

In wenigen Tagen wird etwas weiter Downwind, am Big Bay, der wohl eindrucksvollste Contest stattfinden, den die Kitewelt zu bieten hat: Der King of the Air (KOTA) findet zwischen dem 30. Januar bis 14. Februar statt. Die Top 24 Rider, darunter Nick Jacobsen, Oswald Smith, Jesse Richman, Aaron Harlow und Kevin Langeree treten dann gegeneinander an.

Schon in den Tagen davor sehen wir täglich spektakuläre Sprünge, direkt vor unserer Nase am Blougbergstrand. Lasse Walker beispielsweise, der auch am KOTA teilnimmt, zeigt den ein oder anderen Megaloop. Davon angespornt kaufen sich die Jungs gleich eine Woo – ein Gerät, das die Höhe der Sprünge misst. Wir wissen jetzt also, dass Jan 11 Meter hoch springt – Matzes Woo hingegen ist gleich nach der ersten Session kaputt. Ob das an seinen hohen Sprüngen lag? Bestimmt. Es bleibt jedenfalls spannend und sobald das Ding repariert ist, bringen wir euch auf den neuesten Stand in puncto Höhe.

Wind ohne Wolken? Wolken ohne Wind?

Kitesurfer in Kapstadt beginnen, die Wolken am Himmel zu interpretieren. Was tut man nicht alles, wenn man gerade auf Wind wartet. Eine Regel lautet: Wolken auf dem Tafelberg sollen den Wind verstärken. Die Rede ist vom Tablecloth-Phänomen. Am nächsten Tag können wir dieses Phänomen dann mit eigenen Augen beobachten. Der von Wind- und Wassererosion geformte Tafelberg bekommt dann ein „Tischtuch“ (englisch: Tablecloth): Feuchte Luftmassen, die von dem Berg zum Aufstieg gezwungen werden, bilden Wolken. Es entsteht ein Fallwind und die Wolken fließen an der Seite des Berges hinab – optisch sieht das aus, als läge ein Tischtuch auf dem rund 430 Millionen Jahre alten Berg.

Allerdings gab es schon jede Menge Wind ohne Wolken, viel Wind mit Wolken und ebenso keinen Wind trotz Wolken. Ob an der Regel also etwas dran ist? Wir wissen es nicht, werden das für euch aber weiter beobachten.

 

Tablecloth-Phänomen Tafelberg
Der Beginn des Tablecloth-Phänomens, aufgenommen von der Waterfront

Kapstadt: Wein, Geschichte, Wandern, Shopping, Konzerte

Auch für Nicht-Kitesurfer ist Kapstadt ein lohnendes Reiseziel. Die Stadt ist sehr modern und es gibt viel zu sehen. Zum Flanieren und Einkaufen laden die Long Street und die Waterfront ein, wobei die Long Street auch für Nachtleben bekannt ist. Einen Shot gibt es hier in so mancher Bar schon für einen Rand – beim aktuellen Wechselkurs könnte man also 18 Schnaps für einen Euro trinken – unser sicherer Untergang.

Mein persönlicher Tipp: Hinter dem Clock Tower an der Waterfront tummeln sich freilebende Robben, die sich dort in einem für sie eingerichteten Platz die Sonne auf den Pelz scheinen lassen. Es gibt in Kapstadt außerdem gratis Konzerte im Park und Wanderungen zu Vollmond auf den Lion´s Head. Man kann auch auf den Tafelberg wandern oder einen Helikopterflug über die Stadt machen. Auch ein Ausflug zu einem der Foodmärkte wie etwa dem „Neighbour Goods Market“ lohnt sich. Es gibt Smoothies, Cupcakes, Kuchen, Sandwiches, Paella, Burger, Pizza, Austern, gegrillte Pilze – im Grunde ALLES und das in höchster Qualität. Dazu Live-Musik und jede Menge Menschen, die sich durch die Gänge drängeln. Langweilig wird es in Kapstadt bestimmt nicht. Auf unserer Liste steht außerdem noch eine Weintour, eine Safari und ein Trip nach Langebaan und auf die Garden Route.

Free Concerts in the Park Capetown

District Six Museum
Die alten Straßenschilder des District Six im Museum

Wer sich für die Geschichte des Landes interessiert, sollte das District Six Museum besuchen. Hier wird anschaulich die Geschichte des Stadtviertels District Six beschrieben. Dieser war ursprünglich von befreiten Sklaven, Händlern, Arbeitern und Einwanderern bewohnt, wurde aber vom Apartheids-Regime im Jahr 1966 zu einem „weißen Gebiet“ erklärt. Über 60.000 Menschen wurden im Laufe der Jahre zum Wegzug gezwungen. Um 1982 war das Leben in dieser Gemeinschaft zu Ende. Was das für die Menschen dort bedeutete, erzählen im Museum ehemalige Bewohner dieses Viertels.

Ebenso interessant ist ein Ausflug nach Robben Island, der Gefängnisinsel, auf der unter anderem der Friedensnobelpreisträger und ehemalige Präsident Nelson Mandela 18 seiner insgesamt 27 Gefängnisjahre eingesperrt war. Ein ehemaliger politischer Gefangener führt über das Gelände und erzählt wie es damals war. Man sieht die Zellen und den Steinbruch, in dem die Gefangenen – auch Mandela – Tag für Tag arbeiten mussten und lernt etwas über die Bedeutung des Wortes „Reconciliation“. Kurz gesagt bedeutet es: Nimm keine Rache. Ziel der von Mandela ab 1996 eingesetzten Wahrheits- und Versöhnungskommission (engl. Truth and Reconciliation Commission) war es vielmehr, Opfer und Täter in einen Dialog zu bringen. Die Idee dahinter basiert unter anderem auf Mahatma Gandhis Überzeugungen. Er hatte mehr als zwanzig Jahre in Südafrika gelebt und hier seine Spuren hinterlassen.

Für uns heißt es heute hoffentlich wieder: Ab auf´s Wasser. Und auch sonst gibt es noch viel zu tun. Zeit genug bleibt uns dafür im nächsten Monat hoffentlich, schließlich sind wir in Afrika: „Die Europäer haben die Uhren, wir haben die Zeit“, heißt es in einem alten afrikanischen Sprichwort.

2 KOMMENTARE

  1. Hi Ihr Zwei …. tolle Impressionen. 😉 Geniesst die Zeit da unten und berichtet mal vom KOTA. Werden das Event natürlich online verfolgen.

    Hoffe das erste Bild (Strand mit sehr vielen Kitern) ist eine Fotomontage? So voll haben wir das nicht im Ansatz gesehen. Müssen wohl doch mal weltweit die Kiteschulen für 3 Jahre schließen 😉

    Euch viel Spass in der Welle und der Luft. Wenn Ihr keine Lust mehr auf Welle habt, fahrt mal hoch nach Langebaan.

    Grüße von Mandy & Mathias

    • Hallo Mandy & Mathias,

      schön von euch zu hören! Wir hoffen, euch geht´s gut und euer nächster Urlaub steht schon bald vor der Tür!
      Es ist tatsächlich hin und wieder etwas voll hier, allerdings bleiben wir am Strandabschnitt (Bloubergstrand) meist von dem Getümmel verschont. Interessant zu wissen, dass es bei euch nicht so voll war!
      Nach Langebaan müssen wir unbedingt noch, vielen Dank für den Tipp!
      Eine Weintour haben wir übrigens auch noch nicht gemacht, wie war gleich noch euer Geheimtipp? 😉 Sind gerade am Planen.

      Viele liebe Grüße und hoffentlich bis bald mal wieder!
      Matze & Betti

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