Roadtrip durch Marokko: So funktioniert die Einreise auf vier Rädern

Roadtrip durch Marokko: So funktioniert die Einreise auf vier Rädern

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Marokko ist ein faszinierendes Land voller berauschender Farben, mit fast unberührter Natur, schwurbelnden Städten und interessanten Menschen. Um das Königreich wirklich kennenzulernen, gibt es nichts besseres als einen Roadtrip. Wer mit dem eigenen Auto unterwegs ist, muss allerdings zunächst die Einreise hinter sich bringen.

Durch kleine Dörfer oder auf vielbefahrenen Straßen großer Städte, hinter Eselskarren oder vor hupenden Taxis: Fahrend gewinnt man einen intensiven Eindruck von Marokko.

Unsere Tipps für die Einreise auf vier Rädern

Hafen Algeciras
Der Hafen in Algeciras im Morgengrauen

Von Europa nach Marokko gibt es mit dem Auto, Bus oder Wohnmobil nur einen Weg: Die Fähre. Doch welche nehmen? Die Auswahl ist groß. Wir haben uns für die Strecke Algeciras – Tanger entschieden und können diese Strecke aus mehreren Gründen weiterempfehlen:

Der Zielort Tanger liegt – im Gegensatz zu Ceuta – in Marokko, daher wird ein Teil der Einreiseformalitäten bereits auf der Fähre erledigt. Die Passkontrolle sowie die Zuteilung der CIN (der Steuernummer) erfolgt auf dem Schiff. Nachdem man im Hafen von Algeciras auf die Fähre gefahren ist und das Auto dort im Frachtraum abgestellt hat, geht man nach oben und findet dort alle nötigen Formulare sowie die Schlange für die Passkontrolle vor.

Übrigens: Solltet ihr schon einmal in Marokko gewesen sein, habt ihr bereits eine CIN. Die findet ihr in eurem Reisepass neben dem Stempel aus Marokko. Durch die Passkontrolle müsst ihr natürlich trotzdem.

Ein weiterer Grund, der aus unserer Sicht für die Strecke Algeciras – Tanger spricht, ist die Kostenersparnis. In Algeciras gibt es ein kleines, unscheinbares Reisebüro (Agencia de Viajes Normandie, Poligono Industriales Palmones 1, Salida (=Ausfahrt) 112, 11379 Los Barrios). Während die Tickets für die Fähre im Internet mit fixem Hin- und Rückfahrtdatum in unserem gewünschten Reisezeitraum über 500 Euro gekostet hätten, zahlten wir bei der Agencia de Viajes nur 220 Euro für offene Tickets und erhielten einen Rundum-Service gratis dazu: Carlos, der Besitzer des Reisebüros, packt jedem seiner Kunden ein Reisekit, das alle Formulare und Infos für die Einreise in Marokko enthält und erklärt alles im Detail. Außerdem gibt’s als Willkommensgeschenk eine Packung Kekse oder – wie in unserem Fall – Schokoladenkuchen und Rotwein.

Papierkrieg Fehlanzeige: Diese Formulare müssen ausgefüllt werden

Vor unserer Fahrt nach Marokko wurde uns von verschiedenen Seiten ein regelrechter Papierkrieg geschildert, der auf uns zukommen würde. Die Einreise lief dann aber sehr problemlos ab. Papierkrieg? Fehlanzeige. Formulare muss man ausfüllen, diese sind aber weder kompliziert noch besonders zahlreich. Hier die Details:

Auf der Hin- und Rückreise erhält man auf der Fähre (oder direkt bei Carlos im Reisebüro) kleine Zettelchen, die man zusammen mit dem Pass bei der Passkontrolle über den Schalter reichen muss. Auf den Zetteln müssen Standarddaten eingetragen werden: Vorname, Nachname, Adresse, Passnummer – und so weiter. Im Internet wird teilweise berichtet, dass völlig unklar sei, was wo hineingehört. Da können wir Entwarnung geben: Die Felder sind nicht nur in arabischer Schrift, sondern auch auf Französisch, Spanisch und Englisch beschriftet und somit leicht verständlich. Als Zweck der Reise sollte man als normaler Urlauber in jedem Fall Tourismus ankreuzen. Hat man vor, in Marokko zu campen oder hat generell keine feste Adresse, gibt man beim Feld „Adresse in Marokko“ einfach „Camping“ an. Voilà! Erste Hürde geschafft. Sowohl auf der Hin- als auch auf der Rückreise muss ein solcher Zettel ausgefüllt werden.

In Tanger angekommen, fährt man von der Fähre und gelangt dann direkt zum Zoll. Obwohl wir in der Nebensaison dort waren und zudem eines der ersten Fahrzeuge, das vom Schiff fuhr, betrug unsere Wartezeit dort ganze zwei Stunden. Deshalb unbedingt viel Geduld einpacken!

Der Zoll möchte die Pässe in der Regel nicht mehr sehen. Hier interessiert man sich vielmehr für euer Auto. Dabei haben solltet ihr daher dringend den Fahrzeugschein. Am besten ihr macht euch vor eurer Abfahrt schon damit vertraut und versucht die Chassis-Nummer zu finden, denn diese muss in das Formular eingetragen werden, das euch der Zollbeamte in Tanger aushändigt. Sie steht in der Regel neben dem Buchstaben E im Fahrzeugschein. Außerdem wird beim Zoll auch nach eurer CIN gefragt. Ihr findet sie in eurem Reisepass beim Stempel aus Marokkko. Abgesehen von der CIN- und der Chassis-Nummer sind in dem Formular wieder Standarddaten (Name, Adresse, etc.) einzutragen sowie Dinge wie Fahrzeugtyp oder Kennzeichen – nicht weiter kompliziert.

Habt ihr das Formular ausgefüllt, bequemt sich irgendwann ein Zollbeamter zu euch und überlegt, ob er euer Auto komplett auseinandernehmen möchte oder nicht. Wir haben Familien gesehen, die ihren vollgepackten Van in mühsamer Kleinarbeit ganz aus- und dann umständlich wieder einräumen mussten. Nach einem kritischen Blick in unseren Bus James wurden wir glücklicherweise durchgewunken. Dem Zollbeamten hätte es vielleicht selbst zu lange gedauert, jedes unserer Schränkchen zu öffnen. An dieser Stelle sei noch einmal erwähnt, dass offiziell nur ein Liter Alkohol eingeführt werden darf. Kontrolliert wird das aber nicht immer. Voilá! Zweite Hürde geschafft!

Übrigens: Unbedingt beachten solltet ihr, dass ihr das Formular, das der Zollbeamte euch ausgehändigt hat, bei der Ausreise wieder vorzeigen müsst. Sollte euer Fahrzeug während der Reise in Marokko kaputtgehen, müsst ihr auch das kaputte Fahrzeug wieder ausführen, ansonsten gibt’s saftige Strafen.

Passkontrolle und Zoll sind jetzt erledigt, fehlt nur noch die Haftpflichtversicherung. Am besten ihr erkundigt euch vor der Reise bei eurer Versicherung, ob Marokko im Reiseumfang inkludiert ist. Sollte das nicht der Fall sein – wie bei uns – müsst ihr eine extra Haftpflichtversicherung für Marokko abschließen. In Tanger findet man den Schalter, an dem die Versicherung verkauft wird, nach dem Zoll. Nach der Zollkontrolle fährt man etwa hundert Meter weiter, linker Hand kommen kleine Container, in denen Western Union und verschiedene Banken ihre Schalter haben, dort ist auch die Versicherung angesiedelt. Vor Ort kostet die Haftpflicht übrigens weniger, als alles was wir bei unseren Recherchen übers Internet gefunden haben: 10 Tage umgerechnet etwa 60 Euro, ein Monat etwa 95 Euro. Dazwischen gibt es keine weiteren Abstufungen, wer über 10 Tage im Land bleibt, zahlt automatisch einen Monat. Bezahlen kann man die Versicherung nur in bar, ein Geldautomat ist direkt nebenan. Dann erhaltet ihr ein kleines Formular, in dem ihr wieder die Details zu eurem Fahrzeug angebt und fertig. Damit ist die letzte Hürde gemeistert, willkommen in Marokko!

Autobahn oder Landstraße? Großstadt oder Buckelpiste?

Die Autobahn von Casablanca nach Essaouira
Die Autobahn von Casablanca nach Essaouira

Eine Fahrt in einer Großstadt wie etwa Casablanca ist nichts für schwache Nerven. An roten Ampeln wird ungeduldig gehalten, ansonsten scheint die Devise zu gelten: Wer bremst, verliert. Wichtigstes Utensil auf einer vielbefahrenen marokkanischen Straße ist die Hupe. Hupen hat hier zahlreiche Bedeutungen, die von „Achtung, jetzt komme ich!“ über „Fahr schneller!“ oder „Fahr endlich!“ an einer roten Ampel reichen können, wenn der Vordermann nicht innerhalb von Millisekunden aufs Gas drückt. Je nach Situation kann das Hupen aber auch „Was bist du eigentlich für ein Vollidiot!“ oder „Wer hat dir denn den Führerschein gegeben?“ heißen – das kennt man auch aus Deutschland. Als wir mit dem Taxi von Mohammédia nach Casablanca fuhren, brachte uns unser Fahrer auf beeindruckende Art und Weise die verschiedensten Bedeutungen des Hupens nahe – ohne auch nur ein Wort zu sagen. Er konnte die Hupe in mindestens hundert verschiedenen Nuancen bedienen, fast als würde er ein Instrument spielen.

Es braucht oft Nerven aus Stahl, um durch Marokkos Großstädte zu fahren. Auch auf Umgehungsstraßen, die sich um größere Städte ziehen, ist relativ viel Trubel. Keine Probleme gibt es hingegen mit der Beschaffenheit der Straßen. Auf unserer Tour von Tanger bis Essaouira mit mehreren Zwischenstopps gab es keine Straße, die aus unserer Sicht in schlechtem Zustand war. Hier und da mal ein kleines Schlagloch – jedoch nichts, was ein Auto, Bus oder ein Wohnmobil nicht bei einer maximal erlaubten Geschwindigkeit von 120 Stundenkilometern aushalten würde. Nicht der Schlaglöcher wegen, sondern vielmehr wegen der zahlreichen Menschen auf den Straßen sollte man die Augen aufhalten. Alle paar Kilometer steht an der Autobahn ein Tramper dicht an der Fahrbahn, manchmal laufen Menschen auch einfach über die Fahrbahn, wenn das gerade der kürzeste Weg nach Hause oder in die Arbeit ist. Am Rand der Autobahn grasen manchmal Kühe, Ziegen, Schafe oder Esel – nett anzuschauen zwar, aber auch hier sollte man ein Auge darauf haben, ob sich eines der Tiere auf die Fahrbahn verirrt.

Ein Roadtrip durch Marokko ist in jedem Fall traumhaft schön, man lernt das Land von einer ganz anderen Seite kennen – absolut empfehlenswert!

schafe
Am Straßenrand werden Schafe verladen

Am straßenrand autobahn marokko

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3 KOMMENTARE

  1. Super Artikel! Da ich selbst Marokkaner bin und des öfteren schon mit dem PKW nach Marokko fahre kann ich den Artikel jedem Touristen empfehlen.

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