Roadtrip durch die USA: Im Greyhound von Miami bis St. Louis

Roadtrip durch die USA: Im Greyhound von Miami bis St. Louis

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Ein Oldtimer am Ocean Drive in Miami

Vier Wochen Zeit, eine ungewöhnliche Reiseroute und das wohl günstigste Verkehrsmittel der USA: Was durch Zufall entstand, wurde zu einer unvergesslichen Reise mit dem Greyhound durch die Staaten. 

Eigentlich war mein Ziel die Stadt St. Louis, die als Tor zum Westen gilt und direkt am Mississippi liegt. Die Direktflüge kosteten stolze 1.000 Euro. Ein Plan B musste her. Eine kurze Recherche im Internet ergab: Flüge für nur 400 Euro nach Miami. Jippie! Doch wie günstig nach St. Louis kommen? Die Antwort lautete: Mit dem Greyhound. Dieser Bus-Service fährt die Menschen in den Vereinigten Staaten schon seit über 100 Jahren für wenig Geld durchs Land. Mittlerweile sind Konkurrenten wie Bolt Bus oder Megbus auf dem Markt, die die Preise noch weiter in den Keller treiben. Wenn ich schon rund 2.000 Kilometer vom Süden in den Norden fuhr, wollte ich auch etwas sehen und legte in Orlando, Atlanta und Nashville Zwischenstopps ein.

Miami: Wo Flamingos endlich den Stellenwerte erhalten, den sie verdienen

Flamingos! Überall stehen hier Flamingos, es wurde sogar ein Park nach den bunten Tieren benannt.
Flamingos! Überall stehen hier Flamingos, es wurde sogar ein Park nach den bunten Tieren benannt.

Miami kannte ich bisher nur aus der Serie Miami Vice und dem Videospiel GTA, gefühlt war ich also schon hunderte Male den berühmten Ocean Drive entlang gerast. Als ich nach zehn Stunden endlich aus dem Flugzeug stieg, hatte ich diese Bilder und die Songs von Los Santos Rock Radio im Kopf und war gespannt, ob das echte Miami mit dem aus meinem Kopf mithalten konnte.

Als ich elf Jahre alt war, war ich zum ersten Mal in den USA, genauer gesagt in New York City. Meine Mutter war die Haushälterin einer wohlhabenden Familie, die in den Sommerferien für einen Monat in die USA flogen – und uns kurzerhand mitnahmen. Wir wohnten in einem schicken Hotel an der 5th Avenue, machten einen Helikopterflug über die Stadt und ich lief durch die Straßen New Yorks und fand alles „amazing“. Im FAO Schwarz Store kippte ich fast um vor Begeisterung und fand die US-Amerikaner einfach nur bezaubernd und freundlich. Mein Traum war es seitdem immer, einmal im Big Apple zu leben. 2013 erfüllte ich mir diesen Traum – zumindest kurz. Ich absolvierte ein Praktikum im Bereich Finanzjournalismus an der New York Stock Exchange und was soll ich sagen: Meine Zeit dort war sogar noch besser, als damals mit elf Jahren. Ich lernte das Nachtleben kennen, feierte den St. Patrick´s Day, fuhr Schlittschuh im Bryant Park, war dreimal bei einem Spiel der Nets in Brooklyn, verteilte Essen an Obdachlose in der Bronx, lag am Strand von Coney Island, fand Freunde und stand täglich auf dem Parkett der wichtigsten Börse der Welt. Warum ich das erzähle?

Weil das Unglaubliche geschehen ist: New York City wurde abgelöst. Es ist noch immer eine Traumstadt, aber Miami ist einfach noch ein bisschen perfekter – zumindest für mich. Wie meine bisherigen Reiseziele wohl verraten, liebe ich das Meer. Aber das ist nicht Miamis einziger Pluspunkt: Es gibt Museen und Galerien, Palmen und Flamingos, moderne Bauten von Zaha Hadid stehen neben Wolkenkratzern oder pastellfarbenen Art Deco-Häusern. Die Einwohner sprechen Englisch, aber vor allem Spanisch, wodurch Miami diese ganz besondere Atmosphäre bekommt, hier scheinen andere Regeln als im Rest der USA zu gelten. In Wynwood, dem neuen Szene-Viertel gibt es so viel Street Art, dass man dort Tage verbringen könnte. Bislang hatte ich nur in NYC einen echten Shepard Fairey gesehen, doch auch da kann Miami mithalten. Wynwood ist das 5 Pointz Miamis. Könnte ich meine Freunde und einen guten Job einfach dorthin beamen, mein Flamingo und ich würden direkt umziehen. Die Einwohner Miamis finden übrigens – so wie ich – Gefallen an diesem rosafarbenen Federvieh, in vielen Vorgärten stehen Flamingo-Figuren als Deko und sogar ein Park wurde danach benannt. Art Deco, Flamingos, Streetart, Sonne und Meer: Eine Stadt wie für mich gemacht.

Miami Beach: Art Deco, Neonlichter und Strand

miami beachDas Stadtviertel Miami Beach liegt auf einer Insel vor der Stadt, die durch mehrere Brücken mit dem Festland verbunden ist. Wenn ein Ortsteil schon das Wort „Beach“ im Namen stehen hat, sind meine Erwartungen hoch. Miami Beach hat sie in jedem Fall erfüllt. Etwa 14 Kilometer zieht sich der Strand entlang der östlichen Küste und ist dabei so breit, dass wahrscheinlich alle Einwohner gleichzeitig darauf Platz hätten. Zwischen der fünften und der 14. Straße liegt der berühmte Ocean Drive, auf dem – wie man sich das so vorstellt – schicke Autos in Schrittgeschwindigkeit, aber mit heulenden Motoren entlang fahren, schließlich geht es um das Sehen und Gesehen werden. Auf der einen Seite des Ocean Drive reihen sich zahlreiche Art Deco-Gebäude aneinander, die in Pastellfarben gestrichen sind und abends in Neonfarben erstrahlen. Gegenüber wurde ein kleiner Park angelegt, den Einheimische wie Touristen zum Flanieren oder Joggen nutzen. An der Hausnummer 1116 findet man übrigens die „Casa Casuarina“, jenes Haus, vor dem Gianni Versace im Jahr 1997 erschossen wurde. Zwischen den vielen wunderschön bemalten Art Deco-Häusern scheint dieses Gebäude fast unauffällig.

Miami Beach eignet sich aus meiner Sicht genauso für Nachtschwärmer wie für Familien. Man kann einerseits gemütlich am Strand liegen, eines der vielen Museen der Stadt besichtigen oder Shoppen gehen. Andererseits kann man ebenso gut jeden Abend um die Häuser ziehen und feiern. Selbst einen Kitesurf-Beach gibt es in Miami – bei meinem Besuch jedoch leider ohne Wind. Wer mit knappem Budget reist, sollte sich unbedingt im „Miami Beach International Hostel“ einbuchen, das die perfekte Lage und ein unschlagbares Preis-Leistungs-Verhältnis hat. Für rund 23 US-Dollar pro Nacht bekommt man ein Zimmer mit gratis W-Lan in einem 6er-Dorm sowie auch Frühstück, Mittagessen, Abendessen und wenn man möchte sogar abends die Drinks an der Bar umsonst. Außerdem organisiert das Hostel jede Menge Trips, Walking Tours und VIP-Tickets für die angesagtesten Clubs der Stadt. Selbst Airbnbs können damit nicht mithalten und die teuren Hotels schon gar nicht.

Mittlerweile habe ich Miami schon hinter mir gelassen und sitze im gut klimatisierten Bus in Richtung Midwest, doch der Urlaub in Miami und der inoffizielle Song der Stadt Crockett´s Theme gehen mir so schnell nicht mehr aus dem Kopf.

Diese Sights empfehle ich euch:

 

 

Eine paar Ideen für den Roadtrip

In Orlando stehen natürlich Disneyworld, Cape Canaveral und das Universal Orlando Resort auf dem Programm. Aber was muss man in Atlanta, Nashville oder St. Louis gesehen haben?

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