Marokko – von Schafen und Eselskarren

Marokko – von Schafen und Eselskarren

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Zwei Monate lang waren wir mit unserem Bus James in Europa und Marokko unterwegs. Du liest hier den letzten Teil unserer Artikelserie über unsere Bus-Tour.

Teil 1 | Von Biarritz bis Bilbao
Teil 2 | In Galicien mit Abel Lago
Teil 3 | Bacalhau statt Wind: Unsere Reise durch Portugal

Unsere Reise führte uns als Nächstes nach Marokko. Nachdem wir die Einreise besser als erwartet hinter uns gebracht hatten, machten wir uns gleich auf den Weg in Richtung Casablanca. Unser Bus James musste sich, nachdem er bereits 5.000 km in Europa gemeistert hatte, auf den Straßen Marokkos ein wenig umstellen. Für uns Deutsche, geprägt von der unendlich langen StVo, die jedes noch so kleine Detail regelt, kann eine afrikanische Autobahn schon mal ein wenig bizarr wirken. Auf unserem 350 Kilometer langen Weg nach Mohammedia, stellen wir immer wieder fest, dass es normal ist, auf der Autobahn zu trampen, diese als Fußgängerüberweg zu benutzen und auch Eselskarren hier keine Seltenheit sind. Die Straßen sind aber insgesamt sehr gut ausgebaut und haben unseren Bus vor keine größere Herausforderung gestellt. Auch Tanken kann einem noch richtig Spaß machen, denn die Tankuhr läuft schneller als der Geldzähler. Umgerechnet 76 Cent kostet hier ein Liter Diesel.

Unser erster Stopp war Mohammedia – etwa 20 km von Casablanca entfernt. Am nächsten Tag fuhren wir mit einem Taxi nach Casablanca und besuchten die drittgrößte Moschee der Welt – Hassan-II. Das Minarett ist mit 210 Metern das höchste weltweit, ein beeindruckendes Bauwerk.

Hassan-II-Mosche Casablanca Moschee Casablanca von innenWer in Casablanca Auto fahren kann, kann es überall auf der Welt, lautet ein Sprichwort, das die Realität doch sehr gut wiedergibt. Deswegen waren wir froh, die Fahrt mit dem Taxi „erleben“ zu dürfen und nicht selbst fahren zu müssen.

Am nächsten Tag ging es weiter ins etwa 400 Kilometer entfernte Essaouira, um endlich wieder zu kiten. Diese kleine Hafenstadt hat uns von Anfang an in ihren Bann gezogen. Obwohl es hier sehr touristisch ist, hat sich die Stadt ihren Charme noch bewahrt. Nicht umsonst diente Essaouira als Filmkulisse für die Serie „Game of Thrones“. Besonders sehenswert ist der Hafen dieser kleinen Stadt an der marokkanischen Atlantikküste.

In Deutschland geht man in den Supermarkt und kauft sich Fisch aus der Tiefkühltruhe. Die Fische wurden vermutlich in Russland gefangen, in China verarbeitet und landen dann tiefgekühlt bei uns in den Regalen. Während uns der Bezug zu den Tieren komplett verloren gegangen ist, kann man in Essaouira den gesamten Prozess eindrucksvoll – wenn auch nicht immer wohlriechend – nachvollziehen. Die Fische werden täglich fangfrisch in Booten zum Hafen Essaouiras gebracht und werden von den Fischern an Ort und Stelle ausgenommen – über die auf die Straße geworfenen Innereien freuen sich die Möwen. Im Anschluss wird der Fang auf einem Markt verkauft oder aber in den Buden um den Hafen für Einheimische und Touristen zubereitet.

Fischer Essaouira

Kitesurfen in Essaouira

essaouira kitesurfenGleich am ersten Tag war zu unserer Freude Wind und wir machten uns von unserem Hotel auf zum Kitespot. Der Wind weht in der Regel aus nördlicher Richtung und ist deswegen ziemlich böig, da er erst einmal über die komplette Stadt muss. Je weiter man zum Ende der Bucht kommt, desto sauberer wird der Wind. Nach einer ausgiebigen Kitesession, ließen wir den Tag am Abend in einem Restaurant ausklingen. Preislich war Marokko ein weiterer Höhepunkt unserer Reise. Zwei große Mahlzeiten und Getränke für kosteten zehn Euro – unschlagbar.

Nachdem wir ein paar Tage lang den Strand Essaouiras und das Kitesurfen genossen hatten, ging es weiter nach Marrakesch – eine der vier Königsstädte Marokkos. Hier schlugen wir unsere Zelte auf dem Campingplatz Manzil la Tortue auf. Wohl der beeindruckendste Campingplatz unserer Reise. Die Sanitäranlagen sind mit Regenduschen ausgestattet und zur Krönung gibt es einen riesigen Infinity-Pool, das Ganze für nur neun Euro die Nacht für zwei Personen.

Kitesurfen Essaouira

Durch die Souks von Marrakesch

Schlangenbeschwörer Marrakech
Ein Schlangenbeschwörer in Marrakesch

In einem Reiseführer steht, dass Essaouira sehr gut als Einstieg für Marokkoreisende geeignet ist, um keinen Kulturschock zu bekommen. In Marrakesch wussten wir, was mit diesem Satz gemeint war. Während es in Essaouira doch verhältnismäßig ruhig und entspannt zugeht, sind die Souks in Marrakesch eine ganz andere Nummer. Die Gassen sind etwa zwei Meter breit und es tummeln sich gefühlt hundert Menschen auf einem Quadratmeter. Überall waren Händler, die einem etwas verkaufen wollen, selbsternannte Reiseführer, Einheimische, die noch etwas für das Opferfest am nächsten Tag einkaufen wollten, Schlangenbeschwörer und natürlich Touristen. Als wären die Menschenmassen in den engen Gassen nicht genug, drängelten sich hierdurch noch Motorradfahrer, Eselskarren, Roller und jede Menge Schafe mit ihren Besitzern. Die Erfahrung, einmal durch die Souks von Marrakesch zu laufen und die Gerbereien zu besichtigen, sollte man auf keinen Fall verpassen.

Campingplatz Marrakech
Unser Campingplatz in Marrakesch: Für 4,50 Euro pro Person gibt es diesen Luxus.

Apropos Schafe. Diese sollten uns bei unserem Aufenthalt in Marrakesch den ganzen Tag verfolgen. Als wir in der Früh zur drei Kilometer entfernten Bushaltestelle wollten, nahm uns ein sehr netter Marokkaner mit seinem Auto mit, um uns den Fußweg zu ersparen. Auf einmal „mähte“ es aus dem geschlossenen Kofferraum des Kleinwagens. „Ach ich habe ein Schaf im Kofferraum, für das Opferfest morgen“, meinte der Fahrer nur beiläufig auf französisch. Schafe haben sich dann wie ein roter Faden durch den ganzen Tag gezogen. Wir sahen Menschen mit Schafen an den Bushaltestellen, Leute mit Schafen in Autos, Rollerfahrer, die ein Schaf über den Sitz geworfen haben und damit durch die Stadt fuhren. Betti, die ja gemeinhin als sehr tierverliebt gilt, gefiel der Anblick der Schafe natürlich sehr, auch wenn sie schon eine dunkle Vermutung hatte, was am nächsten Tag mit diesen Tieren passieren sollte.

Das Islamische Opferfest und wir mittendrin

Opferfest in den Souks von RabatWas tatsächlich mit den Schafen passierte, konnten wir am nächsten Tag in den Souks von Rabat eindrucksvoll beobachten. Das Opferfest ist das höchste Fest der Muslime. An diesem Tag soll jeder Gläubige, der es sich leisten kann, ein Tier schlachten und an die Armen verschenken. Die Souks in Rabat waren im Vergleich zum Vortag in Marrakesch „menschen“leer, denn an diesem Fest arbeitet kein Marokkaner, sondern kommt seiner Pflicht nach und schlachtet und grillt ein Schaf. Wenn es keinen anderen Platz dafür gibt, dann gerne auch direkt vor der Haustür.
Wir schlenderten durch die Souks von Rabat und waren so hautnah beim Opferfest dabei. An jeder Ecke hatten sich ein paar Menschen versammelt und grillten auf offener Straße ihre Schafe, daneben lagen die Felle und Gedärme der Tiere auf der Straße. Naja, das war auf jeden Fall dann nichts mehr für Betti, die nur noch schnell aus den Souks raus wollte. Die Stadt war wirklich wie ausgestorben, nur ein paar verstreute Touristen sah man bei den Sehenswürdigkeiten, wie zum Beispiel dem eindrucksvollen Königspalast oder dem beeindruckenden Grabmal Mohammed V.

Grabmal Rabat Königspalast Rabat

Das war auch schon unser letzter Tag in Marokko und am nächsten Tag ging es wieder nach Tanger Med, um unsere Fähre zu erreichen. Marokko hat uns wirklich sehr gut gefallen, wir trafen sympathische, hilfsbereite Menschen, lernten eine interessante Kultur kennen, sahen wunderschöne Landschaften und Städte und fanden nicht zuletzt sehr gute Kitebedingungen. Hier waren wir mit Sicherheit nicht zum letzten Mal.

Fähre Tanger Algeciras

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