Der kürzeste Weg zu dir selbst führt einmal um die Welt, lautet ein bekanntes Zitat von Richard Hoffmann. Der kürzeste Weg in die Karibik allerdings führt nach – Italien: Der Strand in Vada ist blütenweiß, das Meer türkisblau. Im diesem toskanischen Örtchen fühlt man sich tatsächlich wie im tropischen Teil des Atlantischen Ozeans. Auch für Kitesurfer ist Vada ein Paradies.

kitesurfen vada
Der Kitestrand in Vada ist meist menschenleer – selbst in der Hauptsaison.

In den Nachmittagsstunden entsteht in Vada eine Thermik, die den Strand mit konstantem Wind versorgt. Es funktionieren alle Windrichtungen mit Ausnahme von Ostwind, der ablandig ist. Tendenziell ist die Thermik eher schwach und erreicht nur dann über 20 Knoten, wenn sie von Wetterwinden aus Westen unterstützt wird. Wer also den Wind so gut wie möglich ausnutzen will, sollte in jedem Fall seinen größten Kite mitnehmen. Es gibt zwar keinen ausgewiesenen Kitestrand, doch die Badegäste tummeln sich alle im vorderen Bereich des weißen Strandes. Wer ein kleines Stück läuft wird mit einem menschenleeren Strand belohnt – ideale Voraussetzungen auch für weniger geübte Kitesurfer, die gerne viel Platz haben. Das Wasser in Vada ist weder besonders wellig noch absolut flach, sondern etwas dazwischen – kabbelig also.

Die Thermik in diesem kleinen toskanischen Badeort beginnt in der Regel erst nachmittags – es bleibt also genug Zeit um auszuschlafen und die Umgebung zu erkunden. Nur etwa 30 Kilometer entfernt ist beispielsweise die Hauptstadt der italienischen Provinz Livorno, mit einem der größten Häfen Italiens. Auch das etwa acht Kilometer entfernte Rosignano Marittimo ist einen Ausflug wert, dort kann beispielsweise die Burg besichtigt werden, die einen fantastischen Ausblick über die gesamte Region bietet – und anschließend trinkt man dann noch einen Kaffee in einem der zahlreichen, kleinen Straßencafés.

Besitzer eines Wohnmobils oder Busses sind in Vada klar im Vorteil: Nur rund 200 Meter vom Kitespot entfernt gibt es einen Wohnmobilstellplatz, der pro Gefährt und Tag neun Euro kostet. Der Platz selbst verfügt nicht über Duschen, Toiletten oder Strom – doch gleich um die Ecke gibt es eine Bar und daneben auch eine Dusche unter freiem Himmel, deren Benutzung 50 Cent kostet. Zelten kann man dort leider nicht, der nächste Campingplatz ist der etwa fünf Kilometer entfernte Camping Tripesce. Dort kostet die Übernachtung je nach Saison zwischen fünf und acht Euro pro Person und zwischen zehn und 19 Euro pro Zelt – man kommt also deutlich teurer weg, als auf dem Wohnmobilstellplatz. Dazu kommt, dass auch der Parkplatz vor Ort in Vada pro Tag sechs Euro kostet, die man zusätzlich berappen muss. Dafür bekommt man aber türkisblaues Meer und eine echte Karibik-Idylle wie sonst nirgendwo in Italien.

strand in vadaDie Idylle in Vada stört optisch nur eine Kleinigkeit: Einige hundert Meter hinter dem Strand sieht man das Gebäude der Sodafabrik der Firma Solvay aufragen, die auch dem Stadtteil in dem die Spiagge bianche liegen – Rosignano Solvay – seinen Namen gibt. Das macht stutzig, denn etwas auffällig ist es schon, dass Vada der einzige Strand in Italien ist, dessen Wasser türkisblau und dessen Strand blütenweiß ist. Die Fabrik gibt die Antwort auf die Frage, warum hier diese karibischen Verhältnisse herrschen: Die Sodafabrik des Unternehmens Solvay hat in den letzten Jahrzehnten Schätzungen zufolge etwa 500 Tonnen Quecksilber genau hier in Vada ins Meer gepumpt – das Quecksilber hat den Strand gebleicht. Das klingt für Laien auf den ersten Blick gefährlich und man fragt sich, welche gesundheitlichen Konsequenzen das für Menschen haben könnte. Vor Ort gibt es keinerlei Bedenken der lokalen Bevölkerung: Familien baden mit kleinen Kindern im Meer, Kitesurfer aus der Region sind den ganzen Tag auf dem Wasser unterwegs und das Tourismusbüro bewirbt den Strand aktiv. Also kein Grund zur Sorge?

Der Diplom-Biologe und Doktor der Naturwissenschaften Michael Kastenberger sagte mir im Interview, dass rein metallisches Quecksilber für den Menschen relativ ungefährlich sei. Was allerdings durchaus eine Gefahr für Menschen darstelle, seien eingeatmete Dämpfen, denn diese seien extrem toxisch, so Kastenberger weiter. Noch gefährlicher für den Menschen ist es jedoch, wenn das Quecksilber im Laufe der Zeit zu Metyhlquecksilber umgewandelt wird – dieser Prozess wird Biomethylierung genannt. Methylquecksilber sei eine sehr giftige Substanz, die sich dann auch in der Nahrungskette anreichern könne, so der Doktor der Naturwissenschaften weiter. Die schweren Folgen von Methylquecksilber auf den Menschen wurden erstmals in den 1950er Jahren in Japan bekannt. Damals wurde die Minamata-Krankheit entdeckt, die eine Folge der Umweltverseuchung war. Vorsichtshalber sollten daher weder Fisch noch Schalentiere in Vada gegessen werden, rät Kastenberger.

Wer jetzt skeptisch geworden ist, sollte in keinem Fall den Ausflug nach Vada scheuen, sondern sich vor Ort selbst ein Bild machen – ob man dann den Weg ins Wasser wählt, bleibt den Reisenden dann selbst überlassen.

Vada Strand Graffiti
Abends am Strand von Vada: In der Bar um die Ecke gibt es kühles Bier, das man gemütlich am Strand trinken kann.
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Aussicht von der Burg „Castello di Rosignano“ auf das Örtchen Rosignano Marittimo. Heute ist die Burg übrigens das Rathaus der kleinen Stadt.
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Mit dem Bus durch Italien: Man kann halten wo es einem gefällt und spart sich teure Hotelkosten.

So kommt ihr zum Kitespot

Vada liegt etwa 30 Kilometer von Livorno entfernt. Habt ihr ein Navi oder Google Maps dabei ist einfach: Via Gigli in Rosignano eingeben und schon gelangt ihr so nah an den Kitespot wie nur möglich. Die schlechten Nachrichten: Der Parkplatz vor Ort ist kostenpflichtig, für ein paar Stunden Parken müsst ihr sechs Euro hinblättern. Die guten Nachrichten, wenn ihr mit dem Bus oder Wohnmobil unterwegs seid: Auf dem Parkplatz könnt ihr auch über Nacht stehen bleiben, das kostet nur neun Euro und ist damit vergleichsweise günstig. Ist euch das zu wenig Luxus, findet ihr zahlreiche Campingplätze und auch ein Hotel in der näheren Umgebung.

Campingplätze

Camping Tripesce
Camping Village Marebu
Camping Village Molino a Fuoco

Hotel Elba (etwa zwei Kilometer entfernt)

Einzelzimmer je nach Saison: 50 bis 65 Euro
Doppelzimmer je nach Saison: 69 bis 95 Euro

Kiteschule

Centro Kite Vada
Kontakt unter: +39 336 743 739

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2 KOMMENTARE

  1. Hallo Betti, toller Artikel und super schöner Spot. Solange man immer Richtung Meer raus schaut, könnte man tatsächlich glauben man sei in der Karibik! Leider hatte ich keinen Wind als ich heuer am Strand war. Das muss ich wohl auf einem unserer nächsten Roadtrips nach holen. Ich finde den Spot in Grossetto richtig toll, womöglich aber auch deshalb weil ich dort immer Wind haate 😉
    LG,
    Juergen

    • Hi Jürgen! Schade, dass du dieses Jahr in Vada kein Glück mit dem Wind hattest! Mit Grosseto meinst du Talamone, oder? Da ist die Windwahrscheinlichkeit schon deutlich höher als in Vada – da haste recht 😉 Wann habt ihr denn euren nächsten Roadtrip geplant?
      VG Betti

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