Günstig um die Welt: Meine Erfahrung mit Workaway

Günstig um die Welt: Meine Erfahrung mit Workaway

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So sah mein Arbeitsplatz "el Castillo" in Cabarete aus.

Gleich vorweg: Auch wenn in diesem Artikel das Unternehmen „Workaway“ vorkommt, handelt es sich in dem Text lediglich um meine Erfahrungen, die ich mit euch teilen möchte. Workaway hat mir nichts für diesen Beitrag gezahlt oder den Beitrag in Auftrag gegeben. 

Einmal um die Welt reisen und dabei in jedem Land schon vor der Ankunft einen Job haben – für viele Langzeitreisende klingt das nach einem guten Deal. Ganz einfach und ohne Arbeitsvisum geht das über Workaway. Ich habe es einen Monat in Cabarete für euch getestet.

dominikanische Republik„Como?“ fragt mich der Taxifahrer in Cabarete, der mich zu meinem neuen Arbeitsplatz bringen soll. „Laguna Park Hostel“, sage ich und frage mich, ob ich mir das alles nur eingebildet habe. Es klang fast zu gut, um wahr zu sein: Viel kitesurfen, ein bisschen arbeiten und dafür gratis wohnen. Heute ist mein erster Arbeitstag und ich bin schon sehr gespannt, was mich erwartet. Doch erstmal muss ich hinkommen. Während sich mein Taxifahrer bei seinen Kollegen nach dem richtigen Weg umhört, blicke ich aus dem Fenster, beobachte das hektische Treiben an der Hauptstraße Cabaretes und lausche der Mischung aus Hupen und Geschrei. Gerade als ein Mototaxi fast in ein Auto knallt und das Geschrei noch etwas lauter wird, geht die Fahrt endlich weiter: „Das Laguna Park Hostel nennen wir hier das Schloss!“ teilt mir der Fahrer die Ergebnisse seiner Recherchen mit und wirft mir dabei einen vorwurfsvollen Blick zu. „Sag das doch gleich! El Castillo! Das kennt doch jeder!“

Beruhigt lehne ich mich im Sitz zurück. Wir biegen an der Hauptstraße rechts in die Pro Cab-Straße ein, es wird ruhiger und ruhiger bis uns irgendwann kein Auto und kein Moped mehr begegnen. Ziemlich ungewöhnlich für dieses hektische Städtchen im Norden der Dominikanischen Republik. Fünf Minuten fahren wir über eine huckelige Straße an deren Ende tatsächlich ein Schloss liegt. In einem etwas eigenwilligen Architekturstil aus Backsteinen kommt das Gebäude aus dem Jahr 2001 daher. Es will so gar nicht nach Cabarete passen. Ich steige aus und merke, dass auch die Umgebung ungewöhnlich ist: Es ist still. Man hört nur das Rauschen der Palmblätter und hier und da den Ruf eines Vogels. „Perfekt“, denke ich. Cabarete selbst ist für meinen Geschmack viel zu laut. Im Castillo scheinen die Zeichen also gut für mich zu stehen.

So funktioniert Workaway

Auf der Seite Workaway können Reisende Gastgeber kontaktieren. Im Austausch für eine vorher vereinbarte Arbeitszeit pro Woche, erhalten die Reisenden Unterkunft und Essen. Die Gastgeber können Familien, Hotels, Unternehmen oder Organisationen sein, die Aufenthaltsdauer ist von Arbeitgeber zu Arbeitgeber verschieden. Die meisten fordern mindestens einen Monat, bei manchen Gastgebern kann man sogar bis zu einem Jahr bleiben. Praktisch ist, dass man auf der Seite nach Gastgebern in bestimmten Ländern, Regionen oder Städten suchen kann. Unpraktisch finde ich persönlich, dass man keine Karte zur Verfügung hat, um die Lage der Unterbringung einsehen zu können. Wenn man es genau wissen möchte, muss man also Google Maps zu Rate ziehen und dort umständlich die Lage verschiedener Angebote vergleichen. Workaway ist zudem nicht kostenlos: Für Einzelpersonen werden 23 Euro pro Jahr berechnet, wer sich mit seinem Partner oder einem Freund/Freundin anmelden möchte, zahlt für den Doppelaccount 30 Euro. Die Liste der Gastgeber kann jedoch auch ohne Anmeldung eingesehen werden, sodass man sich im Vorfeld entscheiden kann, ob sich ein Account lohnt oder nicht.

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Meine Erfahrungen mit Workaway

Strand Cabarete
Morgens arbeiten, nachmittags kitesurfen. Gar nicht so schlecht eigentlich.

In meinem Fall war die Erfahrung ziemlich gut. Mir hat vor allem der unkomplizierte Bewerbungsablauf gefallen. Ich habe lediglich ein paar meiner Fähigkeiten, Arbeitserfahrungen und Sprachkenntnisse in das Online-Formular eingetragen und ein Foto hochgeladen – fertig. Im Anschluss habe ich eine formlose E-Mail verfasst und erhielt wenige Tage später die Antwort, dass ich ab Anfang März für einen Monat willkommen bin. Ob das bei jedem Arbeitgeber so problemlos abläuft, steht natürlich auf einem anderen Blatt. Doch im Vergleich zu den Bewerbungsprozessen, die man aus Deutschland gewohnt ist, läuft es auf Workaway generell deutlich unkomplizierter. Genauso locker war übrigens auch meine Arbeit:
Mein Arbeitgeber hatte 20 Wochenarbeitsstunden mit mir vereinbart. Diese konnte ich mir – in Absprache mit meiner Kollegin – selbst einteilen. Ich habe mich dafür entschieden, einen Tag komplett durchzuarbeiten (3 Schichten à 4 Stunden, also von 8 bis 20 Uhr). An zwei weiteren Tagen habe ich die Schicht von 8 bis 12 Uhr übernommen. Meine Kollegin und ich haben uns dabei perfekt ergänzt: Sie war Surferin und damit sehr froh wenn ich die Frühschicht übernahm, denn morgens sind die Wellen in Cabarete am besten. Ich hingegen hatte ab 12 Uhr frei und war jeden Tag rechtzeitig am Strand, wenn der Wind kam.
Meine Aufgaben bestanden darin, zusammen mit der Putzfrau für Ordnung in der Küche zu sorgen und die Betten neu zu überziehen, in der Mittagsschicht wurde dann das Essen für alle Angestellten gekocht. Meine Hauptaufgabe war aber die Rezeption, dort kümmerte ich mich um alle offenen Fragen und checkte Gäste ein und aus. Obwohl Hauptsaison war, war nicht sonderlich viel zu tun, ich hatte viel Zeit zu lesen oder Texte für meine Auftraggeber zu schreiben. Am Computer arbeiten war offiziell sogar erlaubt. Während ich also in der Arbeit war, verdiente ich gleichzeitig Geld beim Schreiben – ziemlich cool. Meine Arbeitgeber Katy und Billy waren nett, offen und locker, es hätte nicht besser kommen können.

Vorteile

  • Kostenersparnis: Gerade in teuren Reisezielen wie etwa der Karibik kann es sich lohnen, 20 Stunden die Woche für Unterkunft und Essen zu arbeiten. In günstigeren Ländern wie Thailand oder Bali sollten Reisende vielleicht zweimal überlegen, ob es sich wirklich rentiert.
  • Einblicke in die Kultur: Wer arbeitet, erhält viel tiefere Einblicke in die Kultur des Landes. Statt tagsüber nur am Strand zu schmoren, erlebt man einen normalen Arbeitsalltag und erfährt etwas über das alltägliche Leben der Einheimischen.
  • Neue Freunde vor Ort: Oft werden die neuen Arbeitskollegen zu den Menschen, mit denen du am meisten unternimmst. Gerade Alleinreisende haben so schnell Anschluss, wenn sie das denn möchten.
  • Kein Arbeitsvisum nötig: Das ist ein Vorteil, den die Behörden des jeweiligen Landes wohl eher ungern sehen. Da die Arbeitnehmer nur in Naturalien – nämlich Essen und einer Unterkunft – bezahlt werden, fließt kein Geld. Workaway ist damit eine einfache, unbürokratische und vermutlich nur halblegale Möglichkeit unterwegs den Lebensunterhalt zu sichern.

Nachteile

  • Arbeit statt Urlaub: Während deine Freunde am Strand liegen, Sightseeing machen oder Kitesurfen gehen, musst du arbeiten. Das kann manchmal hart sein. Besprich daher im Vorhinein die Details deines Arbeitsverhältnisses mit deinem zukünftigen Arbeitgeber: Wie viele Stunden pro Woche? Wie flexibel sind die Arbeitszeiten? Für Kitesurfer ist das doppelt wichtig, denn an manchen Spots weht der Wind nur wenige Stunden am Tag.
  • Massenunterkunft statt Einzelzimmer: Die Art der Unterbringung ist von Arbeitgeber zu Arbeitgeber verschieden. Die Chancen sind allerdings hoch, dass du in einem Mehrbettzimmer untergebracht wirst, wenn es sich beispielsweise um die Arbeit in einem Hostel handelt. Wenn du in dieser Hinsicht nicht flexibel bist, kläre im Vorfeld ab, wie deine Unterbringung aussehen wird. Wenn du hingegen bei einer privaten Familie unterkommst, hast du im Regelfall ein Einzelzimmer.
  • Der Druck: Du stehst etwas unter Druck, wenn deine Wohngelegenheit mit deinem Arbeitgeber verbunden ist. Sollte der sich als unerträglich herausstellen oder du aus anderen Gründen den Job aufgeben müssen, stehst du plötzlich ohne Unterkunft da. Stelle sicher, dass du für diesen Fall einen Plan B hast.

 

  • I love Cabarete? Wohl eher nicht.

Meine Tipps fürs Leben und Arbeiten in Cabarete

Wer einen längeren Aufenthalt in Cabarete plant und auf der Suche nach einem Job ist, kann sich natürlich über Workaway bewerben. Es gibt aber besser bezahlte Jobs: In der Hauptsaison hat man in der Regel keinerlei Probleme in einer der Bars am Strand einen Job als Kellner/in zu finden. Die Bezahlung bewegt sich für einen Abend in etwa im Bereich von 1000 Pesos plus Trinkgeld, man geht mit etwa 2000 Pesos – ewa 40 Euro – nach Hause. Da Cabarete kein ganz günstiges Pflaster ist, reicht das gerade so, um sich über Wasser zu halten. Besser bezahlt sind die Kitelehrer, man verdient hier rund 20 Euro die Stunde. Allerdings ist es als Kitelehrer nicht ganz so einfach einen Job in Cabarete zu finden. Im Idealfall schreibt man die Kiteschulen vorher an, um zu erfragen, ob sie jemanden suchen und wenn ja, mit welcher Lizenz. Da die Stellen gut bezahlt sind, sind sie natürlich auch relativ begehrt.

Ist man als Langzeitreisender unterwegs, kann man mit vielen Hostels und Unterkünften Spezialpreise aushandeln. Das Hostel Laguna Park, in dem ich gearbeitet habe, bietet beispielsweise ein Einzelzimmer mit eigenem Bad für 350 US-Dollar pro Monat an. Auf der Homepage steht allerdings nur der Einzelpreis pro Nacht für 39 US-Dollar. Ehrlicherweise muss man aber sagen, dass die Lage für Kitesurfer wirklich nicht ideal ist.

Besser geeignet ist beispielsweise das Kite Beach Inn. Dieses berechnet für einen Monat rund 550 US-Dollar im Einzelzimmer, dafür wohnt man dann direkt am Kitestrand. Diese Preise müsst ihr allerdings selbst verhandeln, sie stehen so nicht im Internet. In der Regel reicht eine Anfrage per E-Mail.

Der Tipp, der mir aber am meisten am Herzen liegt ist folgender: Kommt gar nicht erst nach Cabarete! Ich weiß, man stellt es sich traumhaft vor: Gutes Wetter, karibischer Strand, viel Wind. Das alles findet man in Cabarete allerdings nur bedingt. Eigentlich reichen mir Sonne und Meer für mein Glück, doch in Cabarete war es zum ersten Mal anders. Die Dominikanische Republik ist aus meiner Sicht aus mehreren Gründen wenig einladend. Selbst die Kitebedingungen haben mich enttäuscht: La Boca hat in etwa so viel Platz wie eine Badewanne und am Hauptstrand in Cabarete ist das Wasser wellig und der Wind böig.

Wenn ihr mehr über meine Gründe erfahren möchtet, warum mir Cabarete nicht gefallen hat, empfehle ich euch die Ausgabe #114 des Kiteboarding Magazins zu lesen. Darin lest ihr wie immer meine Kolumne, in der es dieses Mal um Cabarete geht. Außerdem findet ihr darin mein Interview mit Ruben Lenten und einen kurzer Bericht über unsere Reise nach Kapstadt.

Seiten, auf denen ihr temporäre Jobs oder Freiwilligenarbeit im Ausland findet

https://www.workaway.info
http://www.helpx.net
http://helpstay.com
http://www.volunteerafrica.com
http://www.pole-emploi.fr/accueil
https://www.seasonworkers.com

Speziell für Wassersportler:
http://www.watersportstaff.co.uk
https://www.vdws.de/jobs

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