Wie finanziert man eigentlich eine Weltreise?

Wie finanziert man eigentlich eine Weltreise?

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Ryan McGuire: http://www.gratisography.com/
Koffer packen und weg, der Traum eines jeden Reisenden - doch wie finanziert man das?

„Wenn ich Geld hätte, würde ich das auch machen!“ oder „Wie kann man sich das leisten?“ sind zwei Sätze, über die wir immer wieder gestolpert sind, als wir von unserer Reise erzählt haben.

Als wir uns entschieden die Weltreise zu machen, waren wir zwei um die 30-Jährige ohne große Ersparnisse auf der Bank. Soviel also schon mal zu den Ausgangsvoraussetzungen. Das bedeutet im Umkehrschluss: Wenn wir das schaffen, kann es jeder schaffen! Sofern man bereit ist, auf ein paar Dinge zu verzichten.

Als Beamter kannst du dir ein Sabbatjahr nehmen

Matze hat irgendwie alles richtig gemacht bei der Berufswahl, denn er hat einen Job, der ihm Spaß macht und ein gutes Verhältnis aus Freizeit und Arbeit bietet. Zusätzlich erlaubt ihm sein Arbeitgeber, ein Sabbatjahr einzulegen und zahlt währenddessen sogar noch zwei Drittel seines Gehalts. Wie das geht? Matze ist Beamter.

Als Lehrer an einer Berufsschule hat er vor über zwei Jahren ein Sabbatjahr beantragt und sich dabei für das dreijährige Modell entschieden. Das bedeutet, man arbeitet zwei Jahre lang ganz normal und hat im dritten Jahr frei – während der gesamten drei Jahre erhält man durchgehend zwei Drittel des normalen Gehalts. In Beamtendeutsch nennt sich das Ganze „Freistellungsjahr“, welches auch für vier, fünf, sechs, sieben oder acht Jahre nach dem gleichen Prinzip beantragt werden kann.

Tipp: Wenn du kein Staatsdiener bist, gibt es trotzdem gute Nachrichten: So manche Firma hat sich dieses Konzept schon abgeschaut und ermöglicht den Mitarbeitern ein Sabbatjahr. Solltest du mit dem Gedanken einer Weltreise spielen und möchtest deshalb kündigen, kann es sich lohnen beim Arbeitgeber wegen eines Sabbatjahres nachzufragen. Du hast ja nichts zu verlieren! In manchen Jobs ist auch Heimarbeit möglich, vielleicht lässt sich der ein oder andere Arbeitgeber überzeugen, dir ein Home-Office-Konzept anzubieten, statt deine Expertise und Kompetenz komplett zu verlieren.

Kündigung – und jetzt?

Manchmal geht es aber einfach nicht anders und man muss den Schritt wagen und den Job einfach kündigen. Das war bei mir der Fall. Ich habe hauptberuflich als Finanzredakteurin bei einem Unternehmen gearbeitet und den Job jetzt einfach hingeschmissen. Schon seit Jahren schreibe ich nebenbei freiberuflich, neben Finanzthemen am liebsten über Wassersport und Reisen. Dabei ist es natürlich völlig egal, ob ich gerade in München bin oder am Strand in Brasilien sitze. Texte kann man von überall schreiben. Auf diese Art und Weise verdiene ich nun auch während der Weltreise Geld und kann meine freiberufliche Tätigkeit ausbauen, da ich jetzt deutlich mehr Zeit habe. Das Gute daran: Wenn man freiberuflich arbeitet, kann man sich die Aufträge aussuchen und man hat deutlich mehr Abwechslung als bei der hauptberuflichen Tätigkeit. Gedanken an die Zeit nach der Weltreise verschwende ich gerade nicht, irgendetwas wird sich mit einem Diplomstudium und Berufserfahrung schon finden. Ansonsten werde ich einfach Clown. Oder Prinzessin. Oder Experte für blöde Ideen.

Jahrelang das Sparschwein füttern

Egal welches Konzept ihr euch während der Weltreise überlegt, davor heißt es: Sparen, sparen, sparen. Wir haben rund 2,5 Jahre lang damit verbracht, so viel wie möglich auf die Seite zu legen. Das bedeutet aber auch, dass man sich einschränken muss. Statt einfach mal essen zu gehen oder beim Feiern am Wochenende hundert Euro auf den Kopf zu hauen, kocht man eher selbst und trinkt als Münchner sein mitgebrachtes Bier am Gärtnerplatz oder an der Isar. Nicht weiter schlimm, aber mit dem Sparplan merkt man erst so richtig, wie viel Geld man vorher unnötig ausgegeben hat. Habe ich vorher gesagt?

Bei mir zeigte sich schnell, dass sich die Mission „Sparen für die Weltreise“ schwieriger gestaltet als gedacht. Um mein selbstgesetztes Sparziel zu erreichen, habe ich daher auf den letzten Metern noch gearbeitet wie eine Wilde: Freiberufliche Aufträge als Redakteurin angenommen und in einer Bar gejobbt, so kamen schon mal locker 70 Arbeitsstunden pro Woche zusammen. Auf meine Hobbies und Treffen mit Freunden wollte ich trotzdem nicht verzichten und so waren die letzten Monate vor der Weltreise vor allem von einer Sache geprägt, nämlich Schlafmangel. Aber das war es auf alle Fälle wert. Und jetzt hab ich Urlaub auch dringend nötig.

Selbst wenn man den Sparplan noch so gut einhalten kann: Unvorhergesehene finanzielle Belastungen, wie beispielsweise eine Autoreparatur oder eine Hochzeit, bei der für Anreise, Hotel und Geschenke einige hundert Euro Kosten anfallen, gehören einfach zum Leben dazu. Um die Autoreparatur kommt man nicht herum und für die Hochzeit von guten Freunden gibt man doch gerne so viel Geld aus. Solche unvorhergesehenen Ausgaben sollte man im Sparplan aber unbedingt mit einkalkulieren und sich überlegen, wie man flexibel darauf reagieren kann und dennoch sein Sparziel erreicht.

Tipp: Am besten du überlegst dir schon einmal grob, wo du überall hinmöchtest und wie viel Geld du dafür benötigst. Eine Reise auf dem Motorrad durch die USA ist sicher deutlich teurer, als mit einem schrottreifen Moped durch Bali zu zuckeln. Was deinen Träumen am ehesten entspricht, weißt nur du selbst. Mit einer Art Kostenaufstellung kannst du dann in etwa planen, wie viel Geld du monatlich auf die Seite legen musst, um zum Start deiner Weltreise die nötige Kohle zusammen zu haben.

Zehn Tipps für die Finanzierung einer Weltreise

  • Sparplan erstellen, der deinen Geldbedarf für die Dauer der Weltreise zusammenfasst.
  • Monatlich per Dauerauftrag eine gewisse Summe (festgelegt anhand des Sparplans) auf ein Sparkonto überweisen.
  • Kleinigkeiten wie der Verzicht auf den Kaffee beim Bäcker um die Ecke können im Alltag viel einsparen.
  • Alte Sachen loswerden: Klamotten, alte Skates oder vielleicht sogar das Auto?
  • Zuhause kochen statt essen gehen, Gartenparty statt Clubnacht, Fahrrad fahren statt mit den öffentlichen Verkehrsmitteln oder dem Auto
  • Sparschwein für Kleingeld anlegen: Alle Cent-Münzen, die du übrig hast, werden dort gesammelt und am Ende bei der Bank eingetauscht.
  • Vieles von dem was wir uns kaufen ist eigentlich purer Luxus. Das zehnte Paar Schuhe? Das 30. T-Shirt? Lieber zweimal überlegen – auch wenn es hart ist.
  • Preise vergleichen. Klingt wie aus der Werbung, hilft aber tatsächlich. Wer zum Beispiel statt mit der Bahn mit einem günstigen Fernbus fährt, kann sich jede Menge sparen.
  • Wenn nichts mehr hilft: Nebenjob annehmen.
  • Falls möglich: Freiberufliche Arbeit für die Weltreise suchen, bei der du ortsunabhängig Geld verdienen kannst.
    Wenn das nicht klappt und das Geld ausgeht, kannst du auch versuchen, dir vor Ort einen Job zu suchen. Ob das klappt ist auch ein bisschen Glückssache. Eine Seite, die dir bei deiner Suche weiterhilft, ist zum Beispiel Workaway.info

Diese Tricks haben uns geholfen, das nötige Geld zusammenzukriegen. Hast du andere Tipps wie man für den nächsten Urlaub oder die Weltreise Geld sparen kann? Oder planst du vielleicht gar nicht, sondern reist einfach drauflos?

Schreib uns in den Kommentaren!

Update: Über Workaway habe ich einen Job gefunden und einen Monat lang in Cabarete gearbeitet. Meine Erfahrungen liest du hier:

Günstig um die Welt: Meine Erfahrungen mit Workaway

 

3 KOMMENTARE

  1. Ein toller Artikel. Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass sich viele schon einmal die Frage gestellt haben, wie man eine Weltreise finanzieren kann. Da ist dieser Artikel mit seinen Tipps schon eine sehr große Hilfe und wird ganz sicher einigen ein ganzes Stück weiter helfen.

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