Im Kite-Paradies Cumbuco: Erste Impressionen aus Brasilien

Im Kite-Paradies Cumbuco: Erste Impressionen aus Brasilien

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Kitesurfen in der Lagune Tabuba
Matze in der Lagune von Tabuba

Dieser Artikel wurde gesponsort von Matzes Rippenprellung und Bettis Muskelkater, die uns zwingen einen kitefreien Tag einzulegen, der genug Zeit zum Schreiben lässt

Brasilien ist für die nächsten zwei Monate unser Zuhause und schon nach einer Woche ist klar: Es ist ein Traum. Unser erster Stop ist Cumbuco, einer der besten Kitespots weltweit. Vom Balkon unseres Zimmers blicken wir direkt auf den etwa 100 Meter entfernten Cumbuco Beach. Der Strand ist kilometerlang und obwohl viele Kiter auf dem Wasser sind, hat man jede Menge Platz. Wir haben dennoch die Lagune von Tabuba zu unserem Homespot erkoren. Das Wasser ist hier spiegelglatt und wenn man früh genug aufsteht, hat man die ganze Lagune ein paar Stunden lang ganz für sich. Direkt nach dem Frühstück brechen wir also meisten auf, stellen uns an die Straße und warten auf den nächsten Bus, der uns für etwa 70 Cent direkt an die Lagune fährt. Haltestellen gibt es hier keine, man wartet einfach am Straßenrand und winkt, sobald man den Bus sieht. Will man aussteigen, sagt man dem Fahrer Bescheid, der dann genau dort hält, wo man möchte. Ein super System – warum gibt es gleich nochmal Bushaltestellen?

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Die Lagune in Tabuba

Einziger Nachteil der Lagune in Tabuba ist das müffelige Wasser, viele Kiter haben nach der Session rote, gereizte Augen – so genau muss man gar nicht wissen, was dort in die Lagune gekippt wird. Wer Alternativen sucht:

Eine Süßwasserlagune mit frischem Wasser gibt es auch gleich um die Ecke, Cauipe heißt sie und ist den meisten aus den Videos der Profi-Kiter wie Youri Zoon oder Stefan Spiessberger bekannt, die hier oft mehrere Wochen verbringen, um ihre Tricks zu perfektionieren. In Cauipe ist meist jedoch deutlich mehr los als in Tabuba, bis zu 40 Kitesurfer tummeln sich in der kleinen Lagune. Nach Cauipe kommt man entweder per Downwinder – rund acht Kilometer fährt man dann auf dem Meer entlang – oder man nimmt einen Strandbuggy. Der kostet etwa 80 Reais (etwa 20 Euro beim derzeitigen Wechselkurs) für die einfache Strecke. Auch wenn es nach viel klingt: Wer einmal im Affenzahn den Strand entang geheizt ist, weiß, dass sich diese Investition schon allein für die Kulisse lohnt: Links wiegen sich hohe Palmen im Wind, rechts rollen die Wellen an den Strand und man brettert direkt am Meer entlang über den meist leeren, fast weißen Sandstrand.

 

Übrigens: Wer sich für die aktuellen Bedinungen vor Ort interessiert, findet auf Cumbuco Weather die momentane sowie die durchschnittliche Windgeschwindigkeit sowie Informationen über Böen und Temperatur. Anders als bei Windfinder handelt es sich hierbei nicht um eine Prognose, sondern um tatsächliche Messwerte vor Ort.

Brasilien: Mordrate auf dem Höchststand

Brasilien ist nicht nur für seine schönen Strände und das gute Klima bekannt, sondern leider auch für Gewalt und hohe Mordraten. Tatsächlich handelt es sich hierbei nicht um ein Klischee, sondern leider um harte Fakten. Die Mordrate in Brasilien stieg im vergangenen Jahr auf einen Höchststand, fast 60.000 Menschen wurden 2014 ermordet. Insgesamt gab es Angaben der  Nichtregierungsorganisation Forum Brasileiro de Seguranca Publica zufolge im letzten Jahr fast 29 Mordfälle pro 100.000 Einwohner – in Deutschland waren es im gleichen Zeitraum weniger als ein Fall pro 100.000 Einwohner. Besonders der ärmere Nordosten ist hier trauriger Spitzenreiter. Unser Kite-Paradies Cumbuco liegt nur rund 40 Kilometer von der Drei-Millionen-Stadt Fortaleza entfernt, die mit über 50 Fällen pro 100.000 Einwohnern die höchste Mordrate des Landes aufweist. Alle 13 Minuten passiert hier ein Überfall – die Dunkelziffer nicht eingerechnet. Wer nach Cumbuco will, landet in der Regel am Flughafen in Fortaleza. Gerade wenn man abends ankommt, empfiehlt es sich daher, einen Transfer zum Hotel im Vorfeld zu buchen oder ein Taxi am Flughafen zu nehmen. „Es ist besser zu vorsichtig zu sein, als zu naiv“, findet unser Vermieter in Cumbuco, ein Deutscher, der seit 13 Jahren hier lebt. Er selbst sei abends spätestens um zehn zuhause, erzählt er uns. In 13 Jahren sei ihm – vielleicht deshalb – noch nie etwas passiert. Das Städtchen Cumbuco mit seinen etwa 1.600 Einwohnern hat sich in den letzten Jahren verändert. Natürlich kamen jede Menge neuer Unterkünfte und Hotels für Kiter hinzu. Seit die Touristen da sind, gibt es vor allem an den Wochenenenden aber auch ein höheres Aufkommen von Prostitution und Drogen in Cumbuco. Angeblich sollen die Prostituierten so manches Opfer zuhause mit KO-Tropfen betäubt und dann ausgeraubt haben. „Für Brasilianer sind wir Europäer alle Milionäre“, sagt unser Vermieter. Der Mindestlohn in Brasilien liegt bei etwa 724 Reais, umgerechnet rund 200 Euro und die Wirtschaft gerät ins Straucheln: Erst vor wenigen Tagen wertete die Ratingagentur Fitch das Land auf BBB- und damit fast auf „Ramschniveau“ ab. Vor allem die politische Unsicherheit soll ein Grund gewesen sein, die Präsidentin Dilma Rousseff hat derzeit mit einem Haushaltsdefizit und Korruptionsvorwürfen zu kämpfen. Stellt man den Mindestlohn von 200 Euro pro Monat den Kosten für eine ganz normale Kite-Ausrüstung gegenüber, versteht man vielleicht, warum der ein oder andere gemäß dem Spruch handelt „Gelegenheit macht Diebe“.

Wie gefährlich ist es wirklich?

Wir persönlich haben uns während unseres Aufenthaltes in Cumbuco noch nie unsicher gefühlt. Das kleine Städtchen ist recht idyllisch und weit genug von Fortaleza entfernt, sodass man sich hier sehr sicher fühlen kann. Da wir jedoch meist den ganzen Tag auf dem Wasser verbringen, sind wir abends oft so müde, dass wir einfach ins Bett fallen, statt die Bars der Gegend unsicher zu machen. In einer Woche Aufenthalt waren wir bislang erst einmal abends aus, konnten dabei aber die Caipirinhas mit Meeresrauschen im Hintergrund genießen, statt uns Sorgen über unsere Sicherheit machen zu müssen.

Die Bar an der Kitecabana lädt direkt am Strand zum verweilen ein, viel los ist - vor allem samstags auch in der Bar "Laranga mecanica" in Cumbuco.
Die Bar an der Kitecabana lädt direkt am Strand zum verweilen ein, viel los ist – vor allem samstags auch in der Bar „Laranga mecanica“ in Cumbuco.

Cumbuco und Fortaleza sind wohl zwei verschiedene Welten. Ein Bekannter von uns vergaß seine Kite-Bar im Bus zur Lagune nach Tabuba, sie war ihm scheinbar aus dem Rucksack gefallen. Als er den Verlust bemerkte war es bereits zu spät und der Bus weg – die Bar hatte er schon abgeschrieben. Als er sich nach seiner Kitesession auf den Rückweg zur Bushaltestelle machte, sah er seine Bar dort liegen. Scheinbar hatte sich der Busfahrer die Mühe gemacht, auf dem Rückweg anzuhalten und die Bar dort an den Straßenrand zu legen, wo sie am wahrscheinlichsten von ihrem Besitzer wieder gefunden würde: An der Lagune von Tabuba. Diese Geschichte zeigt, wie sicher man sich in Cumbuco fühlen kann. Generell gilt aber die Faustregel: Tagsüber kann http://beachtube.de/wp-admin/post.php?post=1119&action=editman sich frei bewegen, abends am Strand entlanglaufen ist ein No Go und wenn es dunkel wird, sollte man zumindest aufmerksam sein und sich nicht alleine in leeren Gässchen verlieren. Wer vorsichtig ist, erhöht die eigene Sicherheit. Wir werden noch weitere drei Wochen in Cumbuco bleiben und dann für ein paar Tage nach Rio de Janeiro fliegen. Danach geht es für uns weiter entlang der Ostküste Brasiliens, wo zahlreiche fantastische Kitespots auf uns warten.

 

 

In diesem Video nehmen wir euch mit zu den besten Kitespots Brasiliens:

 

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