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Interview mit Colleen Carroll über den Triple-S, das neue Punktesystem und wie es 2015 für sie weitergeht

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Die US-Amerikanerin Colleen Carroll ist der aufgehende Stern der Kitebranche. Weltmarktführer North Kiteboarding hat das früh erkannt und sie ins Team geholt. Colleens Aufstieg war rasant: Von einer unbekannten Kitesurferin in Hood River Oregon, über die Wild Card-Gewinnerin beim Triple-S bis hin zur Siegerin dieses prestigeträchtigen Wettbewerbs. Die 26-jährige stand im Jahr 2013 in allen drei Kategorien – Slicks, Surf und ihrer Lieblingskategorie Sliders –  auf Platz eins des Podiums. Im Interview verrät sie, wie sie das geschafft hat und warum Frauen im Kitesport immer wichtiger werden.

 

Beachtube: Im Jahr 2012 hast du eine Wild Card für den Triple-S Invitational in Cape Hatteras gewonnen. Zum ersten Mal dabei und du räumst gleich den ersten Platz bei den Sliders ab. Hat dich das selbst überrascht oder war dir klar, dass du gewinnen kannst?

Colleen Carroll: Ich war einfach glücklich, dass ich die Wild Card gewonnen hatte. Ich habe keinen Gedanken daran verschwendet, dass ich es bis aufs Podium schaffen würde. Mein Plan für jenes Jahr war einfach so viel Spaß wie möglich zu haben und die Tricks gut hinzurkiegen – ohne mich vom Wettkampfzirkus verrückt machen zu lassen.

Du wurdest immer besser und hast im vergangenen Jahr den Triple-S in allen drei Kategorien – Slicks, Sliders und Surf – gewonnen. Gibt es jetzt keine Konkurrenz mehr für dich?

Die anderen Mädchen waren mir auf alle Fälle auf den Fersen. Vor allem bei den Sliders waren die vordersten drei Ränge wirklich ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Beim Freestyle waren die Bedingungen ziemlich böig und der Wind sehr stark. Ich habe in meinem Leben viel Zeit bei genau diesen Bedingungen auf dem Wasser verbracht, vielleicht hatte ich deshalb einen kleinen Vorteil.

Wie erklärst du dir diesen riesen Sprung, den du innerhalb nur eines Jahres gemacht hast?

Ende 2012 habe ich bei North Kiteboarding unterzeichnet, dem Marktführer im Kitesurfen. Mit der Unterstützung eines Sponsors wie North konnte ich zu den besten Kitespots weltweit reisen und das ganze Jahr über kiten. Ich war außerdem einen Großteil des Jahres mit der NA blend crew unterwegs, das sind Brandon Scheid, Eric Rienstra, Sam Medysky und Craig Cunningham. Ich mache einfach die größten Fortschritte, wenn ich mit diesen Jungs unterwegs bin. Sie pushen sich gegenseitig und und ermutigen einen zu neuen Tricks.

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Colleen Carroll zusammen mit der North Kiteboarding-Crew Craig Cunningham, dem fünfmaligen Kite-Weltmeister Aaron Hadlow und Tom Court.                 Foto: Toby Bromwich

 

Wie konntest du North – eine der Top-Marken des Kite-Business – als Sponsor gewinnen?

So genau weiß ich das gar nicht, manchmal denke ich mir auch, ich träume. Ich glaube, die Tatsache, dass ich im Jahr 2012 die Wild Card für den Triple S gewonnen habe und dann gleich Zweite wurde, hat mich wohl auf ihren Radar gebracht. North steckt eine Menge Energie in den Vermarktung ihrer Produkte im US-amerikanischen Markt. Sie arbeiten auch daran, das ideale Material für “Wakestyle”-Kiten zu schaffen. Ich denke, da habe ich einfach perfekt reingepasst.

Wer war 2014 beim Triple-S, der vom 31. Mai bis 6. Juni in Cape Hatteras/USA stattfand, deine größte Konkurrenz? Am Ende hast du in der Kategorie Slicks und Sliders ja wieder den ersten Platz geholt.

Ich bin ganz oft mit Sensi Graves unterwegs und im letzten Jahr hat sie ihre Skills ganz schön vorangetrieben. Claire Lutz ist auch sehr gut auf Sliders, fährt sehr solide und lebt quasi im Cable Park. Du weißt nie, welchen Trick sie als nächses aus dem Hut zaubert. Die Wild-Card-Gewinerin Victoria Soloveykina ist auch eine große Konkurrenz.

Manche sagen, dass der Triple-S der prestigeträchtigste Wettbewerb im Kitesurfen ist. Stimmst du dem zu?

Ich glaube, so eine Behauptung aufzustellen ist nicht haltbar. Denn Kitesurfen ist eine so differenzierte Sportart, dass es fast unmöglich ist, ein bestimmtes Event über alle anderen zu stellen – ganz egal welche Disziplin. Aber ich denke schon, dass der Triple-S in einer eigenen Liga spielt und man sowas kein zweites Mal findet.

Für die Leser erklärt: Wie genau funktioniert die Bewertung beim Triple-S eigentlich? Gibt es eine Art Punktesystem wie bei der PKRA?

Seit 2013 gibt es einige Änderungen. Es wurde ein Punktesystem und eine Jury eingeführt. Zuvor haben sich die Fahrer jeweils gegenseitig bewertet – es war wie eine Art Jam-Session. Jetzt vergibt eine Jury die Punkte. Im vergangenen Jahr waren Brian Wheeler, Justin Worrall und Eric Worrall die Judges.

Bei den Slicks hat der oder die Fahrerin jeweils zwei Versuche mit dem rechten Bein vorne und zwei Versuche mit dem linken vorne – insgesamt hat man also acht Versuche. Der Cable Park ist in einer Art “Slopestyle” aufgebaut, das bedeutet, man kann alle Obstacles in einer Runde erwischen. Jeder Fahrer und jede Fahrerin hat dann den ganzen Park für sich und versucht den besten Run hinzukriegen, während die Jury jedes Obstacle bewertet. Bei der Kategorie Surfen hingegen gibt es 15-minütige Heats.

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Colleen am Strand Foto: Greg Hindsdale

Der Triple-S startete im Jahr 2006. Damals ging nur eine Frau an den Start: Susi Mai. Viele Jahre blieb das so, im Jahr 2014 hingegen wurden neun weibliche Rider eingeladen und zusätzlich zwei Wild-Card-Gewinnerinnen. Werden Frauen in der Kite-Szene immer wichtiger oder wie erklärst du diese Entwicklung?

Frauen werden definitiv immer mehr zu einem wichtigen Teil der Kitesurfing-Szene. Allein in den letzten paar Jahren ist sowohl die Anzahl der Frauen im Kitesport als auch deren Kite-Level förmlich durch die Decke geschossen. Kiten ist noch immer eine relativ junge Sportart und genau wie bei anderen Extremsportarten ist es einfach so, dass Frauen dem gegenüber tendenziell verhaltener sind als Männer.

Eine andere Erklärung wäre, dass man früher davon ausging, dass Kiteboarding eine Menge Kraft im Oberkörper erfordert und unfassbar schwierig zu lernen ist. Das ist aber einfach ein Vorurteil, das sich immer mehr verflüchtigt. Langsam kommt in den Köpfen an, dass das natürlich Quatsch ist und so kommen jetzt mehr Frauen in den Sport.

Ist es für Mädels schwierig mit den Jungs mitzuhalten und in der Kite-Szene wirklich respektiert zu werden oder gibt´s da keine Unterschiede?

Die meisten Jungs mit denen ich auf dem Wasser unterwegs bin sind respektvoll, sie ermutigen und motivieren mich. Auch wenn ich mit ihrem Kite-Level nicht immer mithalten kann, treiben sie mich an, immer besser zu werden und respektieren meine Entschlossenheit.

Du bist eine sehr gute Kitesurferin, schon mal drüber nachgedacht, an der Kite-Weltmeisterschaft PKRA teilzunehmen?

Ich bewundere die Jungs und Mädels sehr, die in der PKRA mitfahren – aber gleichzeitig bin ich auch dankbar, dass ich nicht mit ihnen auf Tour sein muss. Einige der Tourstops, die da auf dem Programm stehen, haben unglaublich schwierige Bedingungen. Es macht sicherlich nicht sonderIich viel Spaß dort unterwegs zu sein. Außerdem ist ihr Zeitplan auch ziemlich kurz getaktet und sie sind zudem nur auf Freestyle beschränkt. Ich finde es großartig, sich selbst immer wieder zu fordern und sich auch mal mit nicht perfekten Bedingungen zu konfrontieren, um besser zu werden. Aber es macht einfach mehr Spaß den idealen Bedingungen hinterherzujagen und die Freiheit zu haben mit Freunden zu neuen Orten zu reisen. Ich liebe es auch beim Kiten Abwechslung zu haben: Mal Freestyle, mal Sliders, mal Wave-Kiten.

Welche Ziele hast du dir für deine Karriere gesteckt?

Mein unmittelbares Ziel ist es, im kommenden Triple-S wieder mein Bestes zu geben. Langfristig gesehen will ich zu so vielen Orten wie möglich reisen und mein Fahrkönnen auf die höchstmögliche Stufe bringen. Ich will aber auch andere mit meiner Begeisterung für den Sport anstecken und ein gutes Vorbild für Frauen sein, die mit dem Kiten beginnen.

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Foto: Lance Koudele

Steckbrief Colleen Carroll
Alter: 26

Homespot: Hood River, Oregon/USA

Lieblingsausrüstung: North Vegas (7,9,12) mit 22 Meter Leinen, North 136 Gambler mit Banana boots und ION sol Trapez sowie ION Neoprenanzug wetsuits. Wenn es warm genug ist, dann nur Sensi Graves Bikinis.

Facebook  https://www.facebook.com/colleen.carroll.33
Instagram: http://instagram.com/colleenjcarroll
Webseite:  www.colleencarroll.me

HIGHLIGHTS : Lighter and Brighter from Vincent Bergeron on Vimeo.

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